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musica serenissima
» Festspielprofil » 2008

Magie und Mythos, Melancholie und Musik – die Faszination Venedigs war und ist einmalig. Folgt man dem wohl berühmtesten Venedig-Kenner des 16. Jahrhunderts, Francesco Sansovino, so rührt der Name Venedig – Venezia – vom lateinischen »veni etiam« her und bedeutet so viel wie »Komm immer wieder«. Das mag für die allgemeine Faszination der Lagunenstadt bis heute ebenso gelten wie für die überaus nachhaltige Ausstrahlung und Anziehungskraft der Musikmetropole Venedig.

Einst erfüllte venezianische Mehrchörigkeit die Kuppeln des Markusdoms. Hier stand die Wiege des Notendrucks. 1637 eröffneten die Venezianer das erste kommerzielle Opernhaus. Als unerreichbare Herrscherin im Reich der Instrumentalmusik zog Venedig führende Virtuosen und Komponisten an, war Ziel zahlloser europäischer Musiker und Ausgangspunkt für einen vielfältigen »transalpinen« Einfluss – und dies schon lange vor, aber auch lange nach Antonio Vivaldi. Namen wie Andrea und Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi oder Baldassare Galuppi verbinden sich ebenso mit der reichen und vielfältigen Musikgeschichte der Stadt wie Giuseppe Verdi, Richard Wagner, Ermanno Wolf-Ferrari, Igor Strawinsky oder Luigi Nono.

Doch: Venedig ist überall – auch in Potsdam, denn nicht zuletzt der italienische Traum der preußischen Könige, den sie in Potsdams Kulturlandschaft eindrucksvoll Wirklichkeit werden ließen, verbindet sich ausgesprochen glücklich mit den Meisterwerken venezianischer Musik- und Theatergeschichte, die in ihrer stilistischen Vielfalt und differenzierten Klangfülle von den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci 2008 präsentiert werden. Das aus Venedig stammende kostbare Apsismosaik in der Friedenskirche Sanssouci stellt beziehungsreich den Bogen her. Venezianische Veduten im Schloss Sanssouci, italienische Palastarchitektur in den Römischen Bädern oder am Orangerieschloss oder der venezianische Klosterhof in Glienicke – der königliche Traum vom Süden in der »märkischen Streusandbüchse« gestaltete ein empfindsam-faszinierendes Landschaftsbild besonderer Prägung.


International renommierte Künstler und Ensembles

Mit dem Ensemble Modo Antiquo, mit La Venexiana, dem Ensemble Odhecaton, Rinaldo Alessandrini und seinem Concerto Italiano, Europa Galante mit Fabio Biondi und der Accademia Bizantina sind, um nur einige zu nennen, die international führenden italienischen Ensembles der Alten Musik nach Potsdam eingeladen.
Als Solisten werden hochkarätige Vertreter der Alten Musik wie Rolf Lislevand (Laute), Marco Horvat (Gesang und Chitarrone), Ottavio Dantone (Cembalo), Sergio Azzolini (Fagott) und Anton Steck (Violine) erwartet.

Einen Höhepunkt im Programm markiert das Konzert »Donna Leon, Händel & Venedig«: Die amerikanische Bestseller-Autorin wird aus ihren Krimis um den Commissario Brunetti lesen, kontrastiert von Arien und Duette aus Erfolgsopern Georg Friedrich Händels (u.a. aus der in Venedig 1709 uraufgeführten »Agrippina«). (7. Juni 2008)
Uri Caine, bekannt als Grenzgänger zwischen musikalischen Welten, wird sich mit seinem Ensemble dem Thema »Wagner e Venezia« widmen; seine berühmten Arrangements für venezianisches Gran-Caffè-Orchestra verbinden sich mit Venedig-Briefen Richard Wagners, die von Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Potsdamer Hans-Otto-Theaters, gelesen werden. (15. Juni 2008)
Das Quartetto Prometeo aus Florenz wiederum spielt in seinem Programm Streichquartette des 20. Jahrhunderts von Gian Francesco Malipiero, Stefano Scodanibbio, Benjamin Britten und Bruno Maderna stehen und weitet damit den klingenden Bogen des Festspielprogramms bis in unsere Tage aus. (17. Juni 2008)


Cavallis »La Rosinda« - eine Opern-Entdeckung im Schlosstheater des Neuen Palais

Opernfreunde können sich auf eine besondere Produktion im Schlosstheater im Neuen Palais von Sanssouci freuen: Francesco Cavallis Oper »La Rosinda» wird in Koproduktion mit dem Festival Bayreuther Barock als moderne szenische Erstaufführung vier Mal im Festspielprogramm zu sehen sein. Zu erleben ist venezianisch-musikalisches Welttheater des Barock mit den Göttern der Unterwelt, mit Feen und Furien, Zwergen, Riesen und viel Zauberei. Die Regie führt Alexander Schulin, Ausstattung Bettina Meyer, die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Mike Fentross. (10./11./13./14. Juni 2008)

Wer es etwas exklusiver mag, sollte sein Augenmerk auf Schloss Kartzow (bei Potsdam) richten: Als Oper im besonderen Gewand am besonderen Platz veranstaltet der Förderverein der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci e.V. dort eine Aufführung von »Rossini im Salon: Der Barbier von Sevilla«, kombiniert mit einem italienisch-leichten Drei-Gänge-Menü. Die Künstler dieses Abends sind die Sänger und Instrumentalisten des Ensembles »Opera a Palazzo« aus Venedig.
(10. Juni 2008)

»Venezianischer Maskenball« und »Venezianische Nacht«

Ganz unter dem Motto »Dem Karneval wohnt man nicht bei, den Karneval lebt man mit«, laden die Festspiele zu einem großartigen »Venezianischen Maskenball« in die Pflanzenhalle und den Säulenhof des Orangerieschlosses von Sanssouci. »Carnevale di Venezia« – Magie und Illusion des Karnevals von Venedig sollen einen Abend lang zelebriert werden – in Galakleidung, mit Masken und Kostümen, Pantomimen, geheimnisvollen Darstellern, einem historischen Tanzvergnügen und einem Konzert mit dem Ensemble L'Aura Soave unter der musikalischen Leitung des Solisten am Fagott, Sergio Azzolini. (13. Juni 2008)

Mediterranes Flair in Sanssouci: Einen Tag später präsentieren die Festspiele ihre »Venezianischen Nacht« mit Musik und Theater, Masken und Kostümen, Commedia dell’arte, Walkacts und künstlerischer Illumination, nicht zuletzt mit zahlreichen kulinarischen Spezialitäten an zwei wichtigen italienisch inspirierten Orten im Park Sanssouci: der Orangerie Sanssouci mit ihrer grandiosen Terrassenanlage und dem Sizilianischen Garten und der Friedenskirche mit dem Marlygarten. In der von hunderten Kerzen erleuchteten Friedenskirche führt das französische Ensemble Le Poème Harmonique ein szenisches Konzert auf unter dem Titel »Venezia, dalle strade ai palazzi« (Von den Straßen in die Paläste) mit klangvollen Werken zwischen Opernbühne und Karnevalsfest. Die musikalische Leitung hat Vincent Dumestre, Regie führt Benjamin Lazar. (14. Juni 2008)

OpenAir im Schlosspark

Die beliebten Openair-Konzerte mit barockem Feuerwerk an der Orangerie Sanssouci gehen auf eine grenzüberschreitende Reise zwischen Venedig und Neapel, kombiniert mit stimmungsvoll-mediterranem Licht- und Feuerspiel. Zu erleben sind barocke Highlights venezianischer Meister über Tarantellen, Canzonetten und neapolitanischen Canzonen bis hin zu mitreißenden Arrangements zwischen Hochkultur und volkstümlich-populärer Musiktradition. Garanten für einen wundervollen Abend sind die Interpreten: das Neapolis Ensemble und die Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner. (6./7. Juni 2008)

Das Abschlusskonzert am Neuen Palais als »Sanssouci Prom Concert« präsentiert zuerst ein musikalisches Feuerwerk venezianischer und venezianisch-inspirierter Musik aus mehreren Jahrhunderten: zuerst von Albinoni, Rossini und Wagner, dann bekannte und beliebte Arien und Duette von Verdi, Donizetti und Johann Strauss, schließlich Musik aus Filmen von Luchino Visconti, Federico Fellini und Martin Campbell. Es spielt das Deutsche Filmorchester Babelsberg, durch das Programm führt Karl Fischer (bekannt als Sergente Vianello aus den Kriminalverfilmungen nach Donna Leon). Den furiosen Abschluss bildet ein farbenprächtiges Feuerwerk.
(22. Juni 2008)

Für Kinder!

Für Kinder und Familien gibt es gleich drei wichtige Termine: Am 21. Juni 2008 lädt im Palmensaal Neuer Garten ein musikalischer Krimi Detektive ab 8 Jahre ein, Commissario Gasparinis schwersten Fall zu lösen: »Antonio V.« ist eine gemeinsame Produktion mit dem Persius Ensemble Potsdam.
Am 22. Juni 2008 führt die Taschenoper Lübeck gleich zweimal ihren »Orpheus«, eine Bearbeitung von Claudio Monteverdis Oper »L’Orfeo« für Kinder ab 6 Jahren, im Schlosstheater/Neues Palais von Sanssouci auf.

Filmnacht und Vivaldi-Tag

Die »Filmstadt Venedig – Venedig im Film« findet sich mit einer großen »VENEDIG-Filmnacht« wieder, welche die Musikfestspiele gemeinsam mit dem Filmmuseum Potsdam, dem Nikolaisaal Potsdam und dem Inselkino auf der Freundschaftsinsel (Thalia arthouse kinos Potsdam Babelsberg) realisieren (20. Juni 2008).

»Viva Vivaldi!« - der 21. Juni 2008 steht ganz im Zeichen Antonio Vivaldis. Der »Vivaldi-Tag« im Rahmen der Festspiele wird mit einem Kolloquium, Konzerten und einer den Tag beschließenden Vivaldi-Lounge den aktuellen Stand von Vivaldi-Forschung und Interpretation seinen Besuchern präsentieren und Begegnungen mit den Festival-Künstlern ermöglichen.